Alle schauen auf den Boden – und dann sagst du Ja (Sonderfolge)
Shownotes
Eigentlich ist dein Alltag schon voll.
Und trotzdem taucht da dieser Gedanke auf:
Soll ich das jetzt auch noch übernehmen?
Worum es in dieser Folge geht
Diese Sonderfolge im Rahmen des internationalen Podcasthon führt nach Düsseldorf-Gerresheim.
Dort organisiert die Aktions-Gemeinschaft Martinus e.V. jedes Jahr zwei große Martinszüge mit über 10.000 Teilnehmern – getragen von Menschen, die sich neben Beruf und Familie engagieren.
Im Gespräch mit dem Vorsitzenden Sebastian Freitag geht es um genau diesen Moment der Entscheidung:
Warum sagen Menschen „Ja“, obwohl sie eigentlich schon genug zu tun haben?
Und was passiert, wenn niemand mehr Verantwortung übernimmt?
Reflexion
Viele Menschen kennen dieses Gefühl:
Der Job fordert viel. Der Alltag ist dicht. Und trotzdem kommt etwas dazu.
Ein Gedanke. Eine Anfrage. Eine Möglichkeit.
Und damit auch eine Entscheidung.
Bleibe ich bei dem, was ist?
Oder übernehme ich Verantwortung – obwohl es eigentlich nicht mehr reinpasst?
Diese Folge lädt dich ein, genauer hinzuschauen:
Wo in deinem Leben trägst du vielleicht schon zu viel – und wo würdest du eigentlich gern mehr Verantwortung übernehmen?
„Wenn du merkst, dass eine berufliche Entscheidung näher rückt …“
Gespräch vereinbaren
ansgarnastkolb.de/gespraech
Standortbestimmung
ansgarnastkolb.de/standortbestimmung
Website
ansgarnastkolb.de
Wenn du die Arbeit des Martinsvereins in Düsseldorf-Gerresheim unterstützen möchtest, findest du alle Infos ebenfalls in den Shownotes. Spenden sind willkommen.
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Podcasthon
Diese Folge entsteht im Rahmen des Podcasthon – einer internationalen Podcastaktion, bei der Podcasts gemeinnützige Organisationen vorstellen und ihre Geschichten erzählen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Speaker 1: Willkommen bei Neuanfang im Quadrat. Ein Podcast über berufliche Entscheidungen und den Moment, in dem sie reif werden. Ich bin Ansgar Braun und Klarheit. Viele Traditionen verschwinden nicht, weil sie niemand mehr mag. Sie verschwinden, weil irgendwann niemand mehr da ist, der sie organisiert. Der Martinszug zum Beispiel. Tausende Kinder mit Laternen, einem Reiter auf dem Pferd, die Geschichte vom geteilten Mantel. Aber hinter dieser Tradition, da stehen Menschen, die sich entscheiden, Verantwortung zu übernehmen. Neben Beruf, Familie und Alltag. Warum tun Sie das? Genau darüber spreche ich heute mit Sebastian Freitag, dem Vorsitzenden des Martin Vereins in Düsseldorf, Gerresheim. Diese Podcast Folge heute entsteht im Rahmen des Podcast on einer internationalen Podcastaktion, bei der Podcasts gemeinnützige Organisationen vorstellen und ihre Geschichten erzählen. Und eine dieser Geschichten beginnt mit einer Entscheidung. Ein Mensch sieht einen anderen frieren und teilt seinen Mantel. Die Aktionsgemeinschaft Martinos e.V. sorgt jedes Jahr dafür, dass diese Tradition im Stadtteil Düsseldorf Gerresheim lebendig bleibt. Gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern organisiert der Verein zwei große Martinszüge mit über zehn tausend Teilnehmern, dazu eine Laternenausstellung, ein Plakatwettbewerb für Kinder und die Prämierung besonders schöner Martinslaternen. Hinter all dem steckt viel Organisation und vor allem das Engagement von vielen Menschen, die ihre freie Zeit investieren, damit diese Tradition weiterleben kann. Sebastian Du bist ja praktisch mit dem Martinsbrauch aufgewachsen. Ich habe gehört, deine Mutter, die war sogar Gründungsmitglied des Vereins vor immerhin rund fünfzig Jahren. Wie sah denn Sankt Martin in deiner Kindheit so aus? Erinnerst du dich da noch an den ersten Martinszug und den du da mal bewusst so als Kind erlebt hast? Hallo?
00:02:54: Speaker 2: Ja, Grüß dich. Ja, ich bin eigentlich in diesen Verein hineingeboren worden und an den ersten Martinszug werde ich mich wahrscheinlich nicht erinnern, weil ich die Musik im Bauch gelauscht habe. Darauf das Jahr als Baby. Nein. Bewusst kann ich mich erinnern, da war ich im Kindergarten. Also das Ganze, was die Kinder bei uns in Gerresheim, in den Kitas und Grundschulen so machen. Man bastelt erst, man erfährt die Martinsgeschichte, man feiert Sankt Martin zusammen mit den anderen Kindern, mit den Erziehern und freut sich dann auf das Ganze. Und dann muss man bei uns in Gerresheim die Laterne erstmal abgeben, die man gebastelt hat. Das ist aber nichts Schlimmes, weil du hast das ja eben schon gesagt, wir haben ja eine große Laternenausstellung und da kann man dann allen Leuten seine Laterne zeigen. Entweder der Oma, den Eltern natürlich der großen Schwester. Und das tun die anderen Kinder auch. Und das ist ein unheimlich schönes Gemeinschaftsgefühl. Und ja, man wird größer. Die Laternen werden vielleicht irgendwann auch ein bisschen aufwendiger. Dann bastelt man keine Laterne mehr, weil man dann in die weiterführende Schule kommt. Aber die Nähe zum Martinsfest bleibt dann doch schon im Herzen. Und man erlebt das Martinsfest etwas anders. Ich kenne ja auch den Martinsverein ganz gut und kenne auch die ganzen Organisationen im Hintergrund. Und da ist natürlich dann was besonders Schönes als Kind, wenn man auch was dazu beitragen kann, dass die Laternenausstellung läuft, dass Senioren auf einem Seniorennachmittag Weckmänner bekommen und solche Dinge, also dass man quasi vom ja auch zum Helfenden irgendwie wird auf seine eigene Weise. Und das kann man als Kind dann auch schon erfahren Und du?
00:04:58: Speaker 1: Was verbindest du denn persönlich noch mit dieser Tradition? Du bist ja jetzt auch, glaube ich, nicht mehr in Düsseldorf momentan. Nee.
00:05:03: Speaker 2: Nee, ich. Ich wohne mittlerweile in Essen, bin so ein paar Stationen von Gerresheim weggezogen. Im Herzen ist aber das Martinsfest immer in mir drin gewesen und meine besondere Verbindung zum Martinsfest ist natürlich erstmal überhaupt die Heimat Gerresheim. Schon klar. Und wenn man den eigenen Stadtteil erlebt, bunt geschmückt. Die Martinszüge, die ganze Stimmung, das ist so wie. Ja, das ist was für die Seele. So was wie die Weihnachtszeit, ne? Nur halt noch mal eine zusätzliche Möglichkeit und sich da einzubringen und das zu genießen. Und das macht das das Leben insgesamt ja auch bunter. Und das ist auch etwas, was unsere Heimat, unser Rheinland auch so bereichert. Ja.
00:05:56: Speaker 1: Wenn du. Wenn du von der Heimat redest. Vom Rheinland gibt es da sogar auch irgendwie besondere Lieder in Gerresheim, wo du bist?
00:06:03: Speaker 2: Ja, wir haben ein ganz besonderes Lied in Gerresheim. Das nennt sich Määtes in Jerresheim. Und da geht es halt natürlich um die Martinsgeschichte. Aber so, wie man sie am Tag eines Umzuges auch erlebt, also dass man sich erst versammelt, dass dann irgendwo der Sankt Martin auf den Zug auf. Äh, ja erscheint. Dass man dem hinterher geht, im Rahmen des Zuges dem großen Finale entgegenfiebert, dass man der Mantelteilung beiwohnen kann. Und man ist sehr ergriffen, das auch alles anzusehen. Und wenn das dann vorbei ist, dann gibt es Süßigkeiten für die Kinder, das Grüppchen. Also dass man von Haus zu Haus singt, um Süßigkeiten zu bekommen. Und das drückt dieses Mal hat es also Martin in Gerresheim letztendlich aus. Also das trifft es ganz gut auf den Punkt, wie man den Tag so erlebt.
00:07:02: Speaker 1: Das heißt, die Podcasthörer sind ja nicht alle aus Region Düsseldorf. Die Kinder gehen nach dem Sankt Martins Zug noch von Haus zu Haus.
00:07:11: Speaker 2: Ja, also heute kennt man das vielleicht von Halloween ganz gut, was ja mittlerweile dann auch von den Kindern gelebt wird. Der große Unterschied ist, dass man halt etwas singt und nicht Süßes oder Saures ruft. Und als Belohnung für diese Mühen bekommt man dann Süßigkeiten geschenkt. Und ja, das hat eine deutlich positivere Komponente, als jemand einen Streich anzudrohen. Natürlich ist das ja auch alles mit einem Augenzwinkern gemeint, aber ja, es fühlt sich ein bisschen wärmer alles an und wir nennen das hier in Düsseldorf krebschen und ist auch sehr interessant. Also die die rheinische Martinstradition, die ist sehr pluralistisch. Das kann in der Nachbarstadt auch schon komplett anders sein. Und hier, wo ich wohne in Essen, ist es so, dass man das gar nicht kennt. So, die Martinstradition kennt man auch mit allen Facetten, aber eben das nicht. Und es gibt auch keinen Wegmann, den man Düsseldorf haben, der heißt woanders Stutenkerl. Ja, und den gibt es auch woanders. Eher zu Nikolaus. Was wir nicht so kennen Und die Martinsbrezel, das kennt man ja auch. Das ist zum Beispiel eher in Essen üblich. Ja, und das macht diesen Reiz auch an diesem Martinsfest aus. Weil ich mein Düsseldorfer Hintergrund habe und natürlich vergleichen kann. Und es ist auch schön, wenn ich mal im Urlaub bin und auch teilweise Leute. Es gibt auch einen im thüringischen Raum, eine gewisse Martinstradition. Das ist immer schön, wenn man dann von Leuten aus ganz anderen Ecken hört, wo man dann feststellt Mensch, das kennen die ja auch, aber es ist anders. Ja, das ist das Schöne. Es gibt keine. Kein Gleichschritt sozusagen.
00:09:05: Speaker 1: Und du bist jetzt wie lange schon Vorsitzender von dem Verein?
00:09:11: Speaker 2: Zwei tausend siebzehn? Ja, neun Jahre.
00:09:15: Speaker 1: Und ja, du bist ja jemand, der auch Familie hat. Im Beruf ist sicherlich auch noch ein paar andere Dinge im Leben so Macht nicht mehr in Düsseldorf lebt nicht mehr Gerresheim. Und dann hast du zwei tausend siebzehn entschieden, den Vorsitz des Martinsvereins zu übernehmen. Wie ist es denn dazu gekommen, zu dieser Entscheidung, die du getroffen hast? Zumal du dann ja auch gar nicht mehr hier vor Ort warst?
00:09:41: Speaker 2: Ja, die, die. Die ersten Vorahnungen gab es tatsächlich schon, als ich so ganz, ganz jung erwachsen war. Ich war so auf dem Weg ins Studium in Dortmund und habe das Martinsfest natürlich in üblicher Weise begleitet. Und da kam das schon mal vor, dass der Vorsitzende von damals, der Herr Köhler ist auch bekannt in Gerresheim, schon mal dieses Thema ansprach. Also die Generation, die es macht, wird halt älter und dann wachsen halt junge Leute heran. Wie das so ist dann auch. Ob ich mir das auch vorstellen könnte? Aber das war für mich damals ganz abstrakt. Man, man ist noch ganz jung, man hat erst mal so alle möglichen Pläne, aber vielleicht nicht unbedingt das. Ich habe dann in Dortmund studiert und wer weiß, wo es mich dann hin verschlagen würde. Nee, also es war nichts Konkretes, aber irgendwie hat man dann so im Laufe der Jahre gemerkt, dass der Herr Köhler nicht mehr so wollte, wie er sollte und es auch immer wieder angedroht hat, aufhören zu wollen. Aber er würde es so lange machen, bis ich einen Nachfolger findet. Ja, der kam einfach nicht. Und im Jahr zwei tausend siebzehn hat er gesagt Ich muss aufhören. Ich kann einfach nicht mehr. Und rückwirkend betrachtet würde ich sagen, das war eine gute Entscheidung von ihm. Also er hat die Kurve noch hinbekommen. Also man hat dann danach recht schnell gemerkt mit der, mit der Last, die von ihm abfiel, ja, wurde er dann doch schneller alt. Und ja und ich erinnere mich noch an dieser Sitzung, wo damals diese Vorstandswahlen waren und das, ja, es haben alle auf den Boden geguckt, als es hieß Ich mache nicht mehr, wir brauchen einen neuen. Ich habe auch auf den Boden geguckt. Und dann der ganze Hintergrund, den du gerade angerissen hast Beruf, Kinder, Ehefrau, nicht mehr in Gerresheim. Ich könnte mich ja auch in Essen engagieren. Ehrenamtlich. Hier werden auch Leute gesucht. Ja, und ich weiß nicht, was mich geritten hat. Vermutlich der Martin. Und ja, dann habe ich mich halt gemeldet, weil ich in dem Moment das Gefühl hatte, nicht rational das Richtige jetzt machen zu wollen, sondern einfach das, was mein Herz von mir wollte. Dann habe ich gesagt Ich mache das. Der Konsequenz war ich mir in dem Moment im ganzen Umfang ja gar nicht bewusst. Ich wollte einfach nur das Martinsfest retten. Ich meine, klar, wenn sich keiner gemeldet hätte, dass das Martinsfest in Gerresheim würde es heute immer noch geben. Es wäre wahrscheinlich nicht die Aktionsgemeinschaft. Martinus Also vor etlichen Jahrzehnten hat es auch mal die, ich glaube die Bürgerwehr mal gemacht oder der Heimatverein in den Fünfzigern. Dann hat es eine Schule gemacht und so kommen auch andere, also wir von der Aktionsgemeinschaft Martinus. Wir haben auch kein Monopol auf das Martinsfest. Jeder bei uns kann das Martinsfest organisieren und feiern, wie er möchte. Viele Kitas machen ja auch einen eigenen kleinen Martinszug, nehmen bei uns nicht teil. Ist auch vollkommen in Ordnung, denn wir wollen ein Angebot machen. Das ist ein sehr schönes Angebot. Es machen auch viele mit. Ja, aber wir sind nicht das Martinsfest, das muss man ganz klar sagen. Wir machen, wir machen etwas fürs Martinsfest. Und meine Angst war deswegen eher auf den Verein bezogen, weil das ja letztendlich die Art und Weise des Martinsfestes, was ich hier aktiv immer auch im Rahmen meiner Möglichkeiten mitgestaltet. Und das wollte ich dann halt. Dass das nicht stirbt, zumindest aus meiner Perspektive. Ich habe aber immer gesagt wenn Gerresheim es schafft, aus eigener Kraft einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende zu haben, dann wäre ich der Letzte, der auf dem Stuhl kleben bleiben würde. Aber bis jetzt hat sich die Gelegenheit noch nicht ergeben. Wir haben ihn. Ich überlege gerade. Wir haben am sechs und zwanzigste April wieder Vorstandswahlen. Und wir laden auch immer wieder unsere Mitglieder ein, sich an Vorstandsarbeiten zu beteiligen. Wir sind ein Verein, wir sind alle demokratisch gewählt. Deswegen also wenn in sechs Wochen sich jemand anders findet, bin ich ja auch zuversichtlich. Das heißt ja nicht, dass ich dem Verein dann fern bleibe. Ich kann ja weiterhin Gestalten, machen, aber vielleicht auch ein bisschen mit weniger Verantwortung. Und ich mache das jetzt neun Jahre, und wenn es neun Jahre bleiben sollten, dann ist das gut. Und wenn zwölf Jahre werden, ist das auch in Ordnung. Ich bin jetzt Mitte der vierziger, also ein bisschen Energie habe ich noch. Ja, mal schauen.
00:15:00: Speaker 1: Also richtig gespannt. Moment. Hier waren wir richtig. Die Kandidatenrede kurz vor der Wahl und die Podcasthörer das Hören, dürfen sich melden. Aber wenn ich den noch mal zurückgehe, noch mal diesen Moment, wo du sagst, da war die Wahlversammlung und alle schauten zu Boden und du sagtest du schaust auf den Boden geschaut und was war da für ein Gedanke in deinem Kopf? War das so ein Moment für dich? So, wenn ich jetzt nicht Verantwortung übernehme, dann macht es vielleicht niemand. Jetzt muss ich mich melden.
00:15:35: Speaker 2: Auf diesen konkreten Moment war das so, weil du entscheidest In dem Moment. Ja, total nee. Ihr kennt jetzt meine Vorgeschichte Das ist so emotional überladen. Wenn du das jetzt auf diesen einen Moment beziehst. Ja, das ist so wie. Ja. Die Katze ist irgendwo eingeklemmt. Ich. Ich hol sie da raus. Aber das bezieht sich nur auf den Moment. Also, es ist kein Ja, Man tut es einfach. Und dieser und dieses einfach tun hört sich einfach an, aber mit meiner. Mit meinem Hintergrund, was ich bin und wie ich mit Martin großgeworden bin, ist es erklärbar, denke ich, aber nicht rational begründbar. Ich glaube, das ist die Essenz und ich glaube, das zeichnet auch andere Leute aus. Ähm, ganz ehrlich Ansgar. Man denkt ja manchmal, wenn man im Ehrenamt ist, man ist so alleine auf so einem Ruderboot unterwegs. Nee, überall ist es dunkel. Ja, aber wenn man auf irgendwelchen Treffen durch Zufall auch mit anderen spricht, die etwas ehrenamtlich machen. Dann sind wir uns eigentlich immer einig im Gespräch. Wir alle stehen abends vor dem Spiegel und gucken uns ins Gesicht und fragen uns sehr oft Warum tue ich das? Warum zweifle ich schon wieder an mir? Ja, wir können alles besser machen. Wir streiten uns mit externen Stellen, mit anderen Leuten. Egal, was du machst, andere finden es besser, wenn du es anders machen würdest, ohne die Verantwortung zu nehmen. Deutschland hat ja auch über achtzig Millionen Fußballtrainer, die es besser können. Und das fragt sich jeder, der das tut. Und jeder hat so seinen Hintergrund. Und ja, wir können auch abends auf der Couch liegen, aber davon hat die Welt ja natürlich auch nichts. Und so wie ich dir eben erzählt habe, was mit mir ist, so habe ich mal einen anderen aus dem Martinsverein in Viersen gefragt. Wir haben zusammen so eine Plakatausstellung, das ist so der Martinsbund. Ne, ist ja, wir sind ja immaterielles Kulturerbe geworden. Zwei tausend siebzehn. Und? Der das organisiert hat? Nee, den habe ich angesprochen. Warum machst du das eigentlich? Nee. Und seine Antwort war Er ist mit vier Jahren mit seinem Vater von Haus zu Haus gegangen in Viersen und hat fürs Martinsfest dort gesammelt. Dann hat er von alten Menschen gesprochen, die sich gefreut haben. Ja, dann hat er, wie ich jetzt auch, gerade glasige Augen bekommen. Er hat nicht mehr weiter gesprochen, aber ich wusste genau, was seine Antwort war. Und da habe ich mich auch wieder selber drin gefunden. Und sehe aber auch in meinem Verein, dass es da auch etliche Leute gibt, die auch glasige Augen haben. Und es gibt auch einige, die genau wie ich in diesem Verein geboren sind und auch Vorstandsaufgaben übernommen haben. Das muss man auch ganz klar sagen. Die ticken genau wie ich und ohne die könnte ich das auch nicht machen. Nur es ist natürlich so, den ersten Vorsitzenden zu machen, das ist so wie Kassenwart, ne? Der macht vielleicht nicht so viel wie ein Vorsitzender, so im Repräsentativen, der steht nicht so im Rampenlicht, aber er hat verdammt viel Verantwortung. Jeder Cent muss ordnungsgemäß verbucht sein. Und ich glaube, das ist ja, diese Verantwortung zu übernehmen. Viele möchten, glaube ich, aber dann letztendlich zu sagen Oh, wenn ich einen Fehler mache, das könnte Konsequenz. Ich glaube, da ist auch so ein Stück weit Angst hinter. Und vielleicht haben die Leute auch teilweise Erfahrungen gemacht, diese Angst auch Begründen? Ich weiß es nicht. Hm. Ja. Die einen springen Fallschirm, die anderen nicht. Um mal irgendwie das Bild, ne? Ich. Ich. Mir fällt jetzt leider kein anderes Gleichnis ein, aber es ist. Es gehört einfach Mut dazu, in dem. Dem Schritt, vom Hang loszurennen. Es fehlt der Mut, die Courage. Manchmal, wenn da jemand am Boden liegt, der Erste zu sein, der den Menschen aufhebt. Man könnte ja was falsch machen. Und das ist ja auch was, die man im Erste Hilfe Kurs lernt. Selbst wenn du es nicht kannst, versuch Es ist immer noch besser, wenn du es sein lässt. Weil wenn du es sein lässt. Ja, dann gibt es das nicht. Wenn du es versuchst, auch wenn du es nicht kannst, dann gibt es noch eine Chance. Vielleicht kann man darüber den Bogen so ein bisschen ziehen. Aber das Letzte, was die Motivation. Jetzt spreche ich aber nur von mir. Ich kann ja nur von mir sprechen. Das letzte, was mich treibt, ist zu sagen Ach, guck mal, der Sebastian, der hat das Martinsfest gerettet. Nee, nee, nee, nee. Ganz ehrlich, Wir haben alle Besseres zu tun, als für andere da zu sein. Man muss ja auch auf sich selber achten. Das ist einfach so und letztendlich kommt es auf die, ja, auf die Mischung an und das zu treffen ist manchmal schwierig. Das ist einfach so und man muss ja auch nicht nur dem Martinsfest gerecht werden, sondern du weißt es selber. Familienvater, Kinder, die haben auch ihre Nöte. Ja, und manchmal ist es leider Gottes auch so, wenn ich auch privat für das Martinsfest zurückstecke, müssen das meine Kinder in der einen oder anderen Weise ja auch tun. Aber das gehört eben dazu und das formt vielleicht meine Kinder auch ein wenig in diese Richtung. Natürlich, helfen ist immer Verzicht und und der und und. Der Soldat Martin ist ja auch nicht mit dem kompletten Mantel dann in seine Kaserne gekommen. Vielleicht hat es am Nacken doch ein bisschen gezogen. Ja, aber es hat dann zwei Menschen am Nacken gezogen. Der eine ist nicht gestorben und das ist doch eine gute Sache.
00:21:51: Speaker 1: Vielen Dank dafür. Man sieht hier, wir sind ja in der Sitzung. Dann wie bewegt du bist. Und wirklich, man nimmt das in den Worten wahr, was das Fest für dich bedeutet, sagt Martin. Und das zu organisieren und auch, wie du dann auch mit den Zweifeln da umgegangen bist oder auch den Mut hast, Entscheidungen zu treffen. Und du sprachst gerade noch so am Rande das Wort Krise irgendwie an, wenn ich das richtig gehört hat. Da fällt mir ein, wir hatten mal so ein kleines Virus Pandemie Covid Corona Die Älteren erinnern sich, das war vor ein paar Jahren. Ja, da ist dann so eine Tradition. Man merkt ja deine Freude an ihm fest. Und dann ist plötzlich irgendwie alles anders. Und was hat das eigentlich für dich bedeutet? Beziehungsweise für den Verein. Wie hast du das persönlich erlebt, als dann diese Corona Pandemie hereinbrach? Und jetzt müssen wir noch mal rekapitulieren Es ging ja glaube ich im Februar März los und Martinsfest ist im Rheinland im November. Das heißt, da war ja schon die Pandemie auch schon ein paar Wochen Monate gelaufen. Aber als dann für dich so klar wurde dieses Jahr irgendwie alles anders hier Pandemie, Corona, Shutdown etc. und kein Martinszug mehr. Und ja, auch diese, dieser Moment der Unklarheit, Unsicherheit, wie es weitergeht. Ja, wann ist diese Pandemie vorbei? Geht. Martins Kommt das Martinsfest wieder? Ja. Was hattest du da für Gedanken? Und auch was für Entscheidungen musstest du dann an diesen Momenten eigentlich treffen? Ja, vielleicht. Vielleicht kannst du ein bisschen schildern. Auch dein Vorlauf mit Organisationen im Kalender, im Jahresverlauf, was da so vorzubereiten ist und was das dann bedeutet, wenn Dinge plötzlich nicht stattfinden dürfen.
00:24:00: Speaker 2: Ja, ich sag mal so das Jahr zwei tausend zwanzig war von den Entscheidungsrahmen eigentlich einfach. Das klingt jetzt plump. Ihr dürft nicht. Wir dürfen nicht. Keiner darf. Das war gar nicht so schwer. Schwer war es, damit umzugehen. Natürlich. Man fühlte sich in dem Sinne nicht allein, weil wir ja alle darunter irgendwo das gesamtgesellschaftliche Leben. Es fing ja schon damit an, dass wir uns gar nicht mehr treffen durften. Wir haben uns immer im Bürgerhaus getroffen, Und da hieß es dann vonseiten der Stadt Ja, wenn sie mehr als vier Leute sind, ja, könnt ihr euch nicht treffen, Haben wir schon mal ein Problem. Dann ist das mit diesen Online Meetings ja aufgekommen. Aber das war dann im Verein dann auch ein bisschen schwierig. Da hat uns das Naturfreundehaus dann geholfen. Ein Mitglied von uns oder die ganze Familie ist dort engagiert, dort auch so als ich sag mal Hausmeister oder Organisatoren usw tätig und die haben einen eine sehr große Anlage und da konnten wir dann im Außenbereich uns mit Abstand dann irgendwo auch treffen und dann haben wir halt eine große Krisensitzung. Ja, Martinsfest ist nicht möglich. Wir hatten jetzt ein Problem gehabt. Unsere Einnahmen fallen erstmal aus. Also wir, wir sind ja spendenfinanziert und bis dahin war es noch in der Regel so, dass wir durch Haussammlungen von Tür zu Tür um Spenden gebeten haben. Dazu haben wir Eltern aus der Schüler oder aus der Kindergartenschaft akquiriert. Kann man so sagen. Haben das dann für uns gemacht. Und auch wenn die Kinder schon außer Haus waren, haben wir Sammler und Sammelnde gehabt, die das Jahrzehnte gemacht haben. Das war alles nicht mehr möglich. So, aber wir haben jetzt auch keine Ausgaben in dem Sinne, keine Laternenausstellungen usw aber wir haben uns gesagt, wir müssen trotzdem irgendwie da sein, Präsenz zeigen. Ja, und was wir uns nicht haben nehmen lassen wollen, das haben wir dann quasi aus der aus den Rücklagen bezahlt, das wir an die Kitas und Schulen die Weckmänner weiterhin haben liefern lassen von einem großen Düsseldorfer Bäcker. Und ja, wir reden da so von. Ja ein hundert fünfzig Kilogramm Stutenkerl Material, was so knapp achtzehn bis zwanzig Einrichtungen bekommen. Das haben wir gemacht. Naja, das sind dann so so vier tausend Euro dann dafür bei so einem Gesamtbudget von zwei und zwanzig tausend Euro, was wir sonst so haben mit allem drum und dran. Ja erst mal ein kleinerer Posten. Aber wenn man keine Einnahmen hat, schon ein ganz großer Posten. Und wir haben in den Gerresheimer Geschäften unsere gewohnten Plakate aufgehangen und die Plakate zeigen Motive aus dem aus der Martinsgeschichte. Mantelteilung zum Beispiel. Und das kommt aus einem Plakatwettbewerb, den du eben angesprochen hast, wo die Schüler der fünften und sechsten Klasse der Gerresheimer Gymnasien hat für uns malen. Und die Besten prämieren wir dann mit einem kleinen Preis. Und das hängen wir dann auf. Und da haben wir halt eine Botschaft an Gerresheim geschickt? Wir sind noch da. Und ja, im Herzen haben wir trotzdem alle noch Sankt Martin. Nur jeder muss es halt für sich feiern. Und man hat das auch auf den Straßen gesehen. Auch hier in Essen. Ja, kleine Familien, drei bis fünf Leute, die durften ja zusammen sein. Wir haben einen kleinen Martinszug gemacht und gesungen. Das haben wir auch getan. Und es haben auch Leute Laternen in den Fenstern aufgehangen und und, und. Das war gut. Ja, dann kam zwei tausend ein und zwanzig. Wir haben aber noch ganz andere Probleme noch gehabt. Unsere. Unsere Grundlage ist noch mehr entzogen worden. Wir haben unsere knapp zwei tausend Laternen immer in der Schulaula eines Gymnasiums aufgehangen. Die war durfte aufgrund von Corona halt nicht benutzt werden. Klar. Aber sie wurde auch noch abgerissen. und wir hatten ein Lager in einer anderen Schule auch gehabt, wo wir unsere ganzen Klamotten drin hatten und da haben sie uns auch rausgeschmissen. Und dieses Lager auch, das gab es noch. Schon vor mir. Und das hat auch nichts gekostet. Ja, und als wir dieses Lager verloren haben auf dem freien Markt. So eine Lagerstätte kostet über drei tausend Euro und ein Fahrer, ein Vereinsmitglied hat dann gesagt Ich habe so viel Platz, können wir alles bei ihm lagern. Super, auch jemand, der das Martinsfest dadurch gerettet hat. Ja, aber dann zwanzig ein und zwanzig haben wir mit den Kirchen gesprochen, mit der evangelischen und katholischen Gemeinde. Ob wir das nicht bei denen machen können, Weil die Schule hatte ihre eigenen Regeln noch. Ein und zwanzig gehabt mit Corona? Ja, aber mit Hygieneauflagen. Was wir damals hatten. Masken, Abstand, Desinfektionsmittel. Konnten wir das in den Kirchen machen. Das war unheimlich schön. Aber jetzt kommt's. Du hast ja eben mich gefragt Wie schwierig war es mit den Entscheidungen? Ja, wir hatten ein und zwanzig, Machen wir denn Martinszüge? Zehn tausend Leute. Und da reden wir jetzt davon. Wie können wir mit unseren paar Männeken Hygienevorschriften einhalten? Das war nicht möglich. Beziehungsweise es gibt ja auch Meinungen, dass ohne auch nur eine große Lüge war. Wie geht man mit solchen Leuten um? Ne, da war auch ein gewisses Aggressionspotenzial in der Gesellschaft. Und wir haben dann für uns entschieden, was wirklich schwer war. Ein und zwanzig. Es gab auch Protest, als wir, die uns dann entschieden haben, die Züge nicht zu machen. Und meine Aussage an die Öffentlichkeit war auch, was ich eben sagte Es kann jeder Sankt Martin feiern wie er möchte. Gerresheim kann gerne auch Martinszüge haben, aber sie werden nicht durch die Aktionsgemeinschaft Martinus organisiert. Das ist unsere freie Entscheidung gewesen. So schwer es auch fiel. Und ich bin auch fest der Meinung, dass unsere Entscheidung richtig war. So, und jetzt zwanzig, zwei und zwanzig, da war das ja schon alles so am Abklingen und da haben wir es dann gemacht, konnten uns aber auch umso mehr darauf freuen, weil wir ja keine Bedenken hatte. Und was muss ich sagen? Ich sage das jetzt mal so salopp, ja. Gerresheim hat wieder Bock auf St. Martin gehabt. Das hat man richtig gemerkt bei den Zügen. Die waren richtig voll. Es haben sich alle gefreut. Das war echt der helle Wahnsinn. Ja klar, Bis dato war auch das Freizeitangebot auch deutlich eingeschränkt und da hat man das gemerkt. Wir sind wieder da. Aber diese Zeit hat auch einiges verändert. Muss man dazu sagen. Das hat man gemerkt. Was? Kapellen betrifft. Ist ja auch so wir haben acht Kapellen, was sehr viel ist einem Zug und vor Corona war das kein Problem. Aber mit Corona haben auch dort vieles, ja auch ehrenamtlich auch viele aufgehört, auch ältere. Die haben so ihren Cut gemacht. Das haben wir auch in unserem Verein gemerkt. Und mittlerweile Kapellen zu bekommen ist unendlich schwer geworden. Oder auch Pferde sind ja auch viele Betriebe pleite gegangen, wenn es keine Veranstaltung gibt. Und jetzt kommen unsere Pferde aus Dormagen mittlerweile und durch einen guten Kontakt über unsere Schützen haben wir das auch hingekriegt. Ja. Das ist von der Organisation jetzt anders geworden. So ein bisschen. Das ist auch viel mehr online. Diese Hausspenden sind auch nicht mehr so groß gefragt. Also man merkt schon, dass das in der Gesellschaft irgendwie so ein bisschen ja, so die Alten. Das hat sich irgendwie alles verändert und mit PayPal sind wir jetzt dran. Aber es ersetzt leider noch nicht so die Gelder, die wir früher mal hatten. Und es ist ja auch man darf ja auch nicht nur Corona sehen. Wir haben ja jetzt einige Krisen seitdem auch.
00:32:41: Speaker 1: Na ja, wenn du Krisen ansprichst und Veränderungen, die stattfinden. Ich habe selber den Eindruck, dass natürlich auch so ein bisschen teilweise die Martins Traditionen teilweise kritisch gesehen werden. Weil also die Geschichte man hilft, können wir gleich noch mal eingehen. Ist noch beliebt. Aber wir wissen ja auch aus anderen Städten, dass teilweise das Thema Martinsfest Sankt Martin auch teilweise kritisch gesehen wird. Und wie geht ihr damit um? Vielleicht auch so im Umfeld Kita Schulen, wenn dann gar nicht mehr Sankt Martins Lieder gesungen werden sollen dürfen oder auch schon nicht mehr vom Sankt Martinsfest gesprochen wird oder gesprochen werden soll?
00:33:26: Speaker 2: Ich muss ehrlicherweise sagen, dass diese Diskussion mit dem Laternen oder Lichterfest das war so vor zehn Jahren ganz oben, das haben wir im Moment nicht so. Muss aber dazu sagen, dass die Leute, die sich um die Art und Weise, wie wir die Martinstradition ausleben, ja die dagegen opponieren, für sich in der Regel immer das Recht aneignen, für andere zu sprechen, die es stören könnte. Also wenn ich so an meine Kindheit denke, das Martinsfest oder auch jetzt an den Martinszügen gucke Muslimische Kinder feiern das ganz genau wie alle anderen Kinder auch. Und die Idee des Martinsfestes, anderen zu helfen, ist nicht nur in der christlichen Hemisphäre bekannt, sondern gibt es in allen Religionen. Und selbst wenn jemand nicht religiös ist, eher so humanistisch ist auch dort gibt es das Leitmotiv, anderen helfen zu sollen oder zu wollen. Und selbst wenn man dem noch nicht mal oder wenn man generell keinen theoretischen Unterbau hat oder dann ist es einfach ein Naturgesetz, dass man jemanden hilft. Ne, das hat nichts mit dem Christentum an sich zu tun. Was wir tun ist einfach nur eine Ausprägung dieser Idee zu haben. Und ich finde, das ist unser kulturelles Recht. Natürlich so wie jeder andere bei sich lokal auch. Ich sage mal im Grunde genommen die gleichen guten Dinge auf seine eigene Weise feiern kann. Ich will das einfach nur mal ein Beispiel sagen. Der eine sagt Heiligabend gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen, weil das ist so Tradition. Das ist vielleicht die Familie. Meier Ja, aber die Familie Müller sagt Heiligabend, da gibt es eben ein schönes Stück Fleisch gebraten. Und die dritte Familie sagt vielleicht mache ich nicht. Es gibt keine Regeln. Ich entscheide das jedes Mal spontan. Und wenn du das jetzt auf die gesamte Welt mal so hochskalierst, ist es doch im Grunde genommen genau das Gleiche. Aber alle sind am Schluss zufrieden mit dem, was sie tun. Und ob jetzt mein Nachbar Kartoffelsalat isst und bei mir der Braten drauf ist, stört doch keinen. Man freut sich doch sogar über über seinen Nachbarn. Ach, guck mal, er hat wieder seinen Kartoffelsalat, frage ich am anderen Morgen. Ja, wie immer. Tante war auch da. Wunderbar. Dann freue ich mich doch auch für die anderen. Und so ist es doch auch beim Martinsfest. Ähm. Wenn ich mich ja auch oft frage. Ich war. Ja. Ich stand eben vor dem Spiegel und habe mich ja gefragt Warum machen wir das? Da habe ich ja eben gesagt. Ähm, wenn ich das bei den Martinszügen sehe, wie die Kinder dort lachen und singen, dann sage ich mir schon Ja. Dafür mache ich das. Und jetzt setze ich noch einen drauf, wenn ich den Sanitäter daneben stehen sehe, der genauso alt ist wie ich und auch feuchte Augen kriegt, weil er genau wie ich als fünfjähriges Kind ja diese Laterne mit Mühen gehalten hat bei schlechtem Wetter. Oh Gott, oh Gott, lass die Laterne im Wind nicht kaputt gehen und dabei ins Brünstig gesungen hat, Dann sage ich mir Jetzt hast du es erst recht richtig gemacht. Und deswegen Alles ist gut.
00:37:23: Speaker 1: Und man merkt immer deine Begeisterung. Und ich darf dir sagen, als Gerresheimer Düsseldorfer ich hab ja auch diese Martins Begeisterung, Tränen und singen bis heute auch die Lieder noch mit. Es ist einfach sehr bewegendes Fest und auch wenn man eigene Kinder hat. Wenn du jetzt heute so auf das zurückblickst, also noch mal dein Kindheitserfahrung mit Sankt Martin, dann schließe ich die Entscheidung. Du hast am Boden geschaut, dann hast du selber entschieden, jetzt springst du, übernimmst die Verantwortung und dann aber auch herausfordernde Zeiten, bedingt durch die Pandemie. Ich kann es noch mal kurz zusammenfassen Was hat dir dieses Ehrenamt persönlich gegeben, das du vorher vielleicht gar nicht erwartet hast? Es gibt ja auch andere Menschen, die vielleicht vor Entscheidungen stehen, sich neben dem Beruf noch ehrenamtlich zu engagieren, manchmal Zweifel haben, ob sie das machen wollen, ob sie springen, wenn alle auf den Boden schauen und mir einfach. Was hat Sie es persönlich gegeben, dass du vorher vielleicht gar nicht erwartet hattest.
00:38:30: Speaker 2: Dass man andere Menschen mitreißen kann und die auch springen? Und das trifft auch auf unseren Verein zu. Also ich bin nicht. Ich bin nicht der, der das Martinsfest organisiert. Ja, ich bin der Vorsitzende, Aber ich habe natürlich auch eine Mannschaft und das wird auch nicht gehen, wenn da nicht der eine oder andere im Mittelfeld vorne mitstürmen würde. Das ist natürlich auch klar und das finde ich das Schöne. Die haben die genau die gleichen Beweggründe wie ich. Aber das, wenn man vorher diese Vorstandsarbeit nicht macht, sieht man das nicht, weil ja, man ist in diesem Verein, man trifft die anderen, man hilft so ein bisschen. Aber das Martinsfest ist natürlich keine keine Veranstaltung, die eine Woche geht Also für uns gerade so in der Vorstandsarbeit ist eigentlich das ganze Jahr. Dann haben wir noch Mitglieder, die nicht im Vorstand sind. Die haben besondere Aufgaben. Da gibt es jemanden, der kümmert sich auch viel um Social Media. Da gibt es jemand, der kümmert sich auch um den Plakatwettbewerb. Andere Macht machen die Küchen, wir backen Waffeln. Das muss ja auch alles organisiert werden, oder? Manche machen Lagerhaltung, und das nimmt man vorher gar nicht so wahr, wenn man, wenn man das nicht so koordiniert. Das haben viele auch schon gemacht, bevor ich Vorsitzende war. Aber das ist halt das man man schwimmt halt vorne mit. Ja, aber man weiß halt, dass die das ja, dass die Bugwelle auch von anderen getragen wird. Das ist einfach so und das, das zeichnet es aus. Also man kommt halt mit Menschen zusammen. Ja, und einer einer steht halt vorne. Das ist nun mal so.
00:40:20: Speaker 1: Wenn wir jetzt hier vielleicht die ein oder andere Hörerinnen und Hörer haben, die sich auch irgendwie so ein Gefühl haben, sie möchten sich engagieren, sei es vielleicht jetzt hier wirklich im Mädelsverein oder an anderer Stelle und irgendwie noch so ein Zögern haben ja sich zu engagieren. Was würdest du so einer Person zurufen wollen?
00:40:48: Speaker 2: Schau es dir mal an und der Rest kommt von alleine oder eben halt auch nicht. Also das ist wie in allen Dingen im Leben so, das ist auch im Beruf so, man kann jahrelang in seinem Beruf bleiben und sagen Oh Gott, oh Gott, wie schlimm ist es hier. Aber wenn man letztendlich nichts Neues versucht, ja, entstehen auch keine anderen Möglichkeiten, das ist klar. Und bei uns im Verein ist das ganz offen. Also schau es dir an, mach mit, so viel wie du willst, so wenig wie du willst oder kannst. Alles gut. Und die Lust darauf, die muss jeder selber entwickeln. Das ist einfach so und das ist ja etwas, was ich halt hinter mir habe. Also die Lust zu entwickeln, nicht die Lust an sich. Man kann keinen zwingen. Das ist einfach so und ja. Und wenn, Wenn wir uns vielleicht in ein paar Jahren sprechen oder je nachdem, wie die Wahl ausgeht. Erzählt das vielleicht auch jemand? Ich bin in diesen Verein gekommen, habe mir das angeguckt, was die so machen und dann habe ich dann für mich dann auch die Entscheidung getroffen. Nur die Situation ist halt dann wieder eine andere. Ja.
00:42:02: Speaker 1: Die Geschichte von Sankt Martin, die beginnt mit einer kleinen Entscheidung, dass ein Mensch einen anderen frieren sieht und dann seinen Mantel teilt. Und vielleicht sind es ja genau die Momente, in denen wir entscheiden, nicht wegzuschauen, Verantwortung zu übernehmen oder etwas zu teilen, die dann eine Gemeinschaft entstehen lassen. Ich danke dir, Sebastian. Sebastian Freitag. Und auch den vielen Ehrenamtlichen, die sich auch engagieren mit dem Verein in Gerresheim, die dafür sorgen, dass die Geschichte hier bis heute weiterlebt in unserem Stadtteil Düsseldorf. Gerresheim. Diese Folge ist Teil des Podcast On ist einer internationale Podcast Aktion, bei der gemeinnützige Organisation in Podcasts vorgestellt werden. Und wenn du selbst vor einer Entscheidung stehst, sei es im beruflichen Umfeld oder im Ehrenamt und deine Gedanken sortieren möchtest, dann findest du in den ShowNotes einen Link für ein Gespräch mit mir. Und dort findest du auch den Link zum Gerresheimer Martinsverein. Und der freut sich natürlich auch über Spenden. Vielen Dank fürs Zuhören.